Heimat- und Kulturverein Bissenberg e.V.

 

Im Jahre 1789 brach in Paris die Französische Revolution aus, die auch unsere Gemeinde im Laufe der Jahre nicht vor schrecklichen Kriegsgreuel verschonte.

 

1792 war der Krieg zwischen Frankreich einerseits und den Koalitionsmächten Österreich, Preußen und dem Deutschen Reich andererseits ausgebrochen. Die Franzosen drangen öfters über den Rhein vor, und unsere Dörfer hatten schwer unter der Einquartierung von Freund und Feind zu leiden. 1795/96 zogen die Franzosen durch unsere Heimat, und ein Truppenteil lagerte damals oberhalb von Bissenberg auf den Hain.

 

Die Franzosen holzten fast den gesamten Hain ab, nur einige Buchen blieben stehen, darunter eine uralte, knorrige Buche. Sie wurde von den Bissenbergern wegen ihres stumpfen, d.h. kurzen und abgestumpften Wuchses einfach "Schtombich Buch" genannt. Sie soll mehrere Meter Umfang gehabt haben und innen völlig hohl gewesen sein. und diente den französischen Soldaten als brauchbares Depot. Von außen und innen mit Nägeln beschlagen und an verschiedenen Stellen angebrannt, wurden hier das aus den umliegenden Orten herbeigeschaffte Vieh geschlachtet und zubereitet.

 

Später diente der Platz um die "Schtombich Buch" fast ein Jahrhundert lange, als besondere Feierstätte. Lange Jahre hindurch wurden unter dieser Buche Versammlungen und Feiern, besonders am Ende des 19. Jahrhunderts der Sedanstag, zum Gedenken an den Deutsch- Französischen Krieg von 1870/71, abgehalten.

 

Über ein Jahrhundert lang blieb diese alte Buche Künderin einer Kriegs- und Schreckenszeit, erlebte Niedergang und Aufstieg unsere näheren Heimat.

 

Im Jahre1904 ereilte ein tragisches Geschickt den alten Baum. Ein heftiger Sturm zerriss sein Geäst und legte ihn um. Die Gemeindevertreter von Bissenberg ließen danach an dieser Stelle eine Linde anpflanzen, die aber bald wieder eingegangen ist.

 

In den 1990er Jahren pflanzte die Sozialdemokratische Partei Bissenbergs erneut eine Buche an dieser Stelle. Sie sollte eine Erinnerung an die Kriegs- und Schreckenszeiten vergangener Jahrhunderte sein und ein Symbole für das neue Bissenberg in einem geeinigten Europa ohne Krisen- und Leidenszeiten für die Bissenberger.

 

Zwei Ereignisse aus der französischen Besatzungszeit:

 

Im Kriegsjahr 1796 ging Konrad Wolf aus Bissenberg, über die Pitzmühle nach Weilburg, um dort allerlei Waren zu kaufen oder zu tauschen. Auf dem Nachhauseweg wurde er beim Biskirchener "Harewäldche" von einem französischen Soldaten, dessen Einheit dort ein Lager hatte, überfallen. Wolf wehrte sich, schlug auf den Franzosen ein, und verschwand eilig durch die Felder nach Hause. Die französischen Soldaten suchten ihn vergeblich. Nach und nach mussten alle männlichen Einwohner der umliegenden Ortschaften auf besonderen Befehl zusammen kommen, wobei der geschlagene Soldat den Täter feststellen sollte. So kam auch die Reihe an die Bissenberger. Die Dorfglocke läutete und alle Männer aus dem Dorfe gingen hinauf zur "Schtombich Buch ". Wo die Einheitsführung des französischen Heeres, im Ulmtal, die Feststellung des Übeltäters treffen sollte. Konrad Wolf zögerte erst, doch er folgte seinem Nachbarn Wilhelm Anschütz zur "Schtombich Buch". Es herrschte ein lebhaftes Durcheinander und die Männer mussten sich nebeneinander stellen, und Wolf wurde von dem Soldaten sofort erkannt. Wolf wurde abgeführt und ein französisches Kriegsgericht verurteilte ihn zu fünf Jahren schweren Kerkers in der Strafanstalt in Eberbach. Es müssen furchtbare Jahren für Konrad Wolf gewesen sein. Nach den Überlieferungen musste er Steine sägen und ein schwerer Klotz wurde ihm um ein Bein gebunden, damit er nicht fliehen konnte. Nach fünf entsetzlichen Jahren kehrte Wolf wieder nach Bissenberg zurück.

 

Im Jahre 1813 zogen russische Soldaten durch das Lahntal, und was bis dahin unseren Vorfahren noch an Vorrat, für Mensch und Vieh, übriggeblieben war, fiel diesen Soldaten, die ja auch hungerten, zum Opfer. In Bissenberg war noch etwas Hafer zu finden, und die Bevölkerung musste den Hafer in der Dorfkirche abliefern. Als nun alle Männer des Dorfes in der Kirche versammelt waren, benutzten zwei der russischen Soldaten die Gelegenheit, einen Ochsen aus dem Stall des alten Schmidt zu holen. Auch die Russen hatten ihr Lager bei der "Schtombich Buch " aufgeschlagen und trieben den Ochsen auf den Hain zu. Der kleine 7-jährige Johann Wilhelm Schmidt, er wurde später Schultheiß des Dorfes, hatte alles beobachtet. Er lief schnell zu seinem Vater und berichtete. Schmidt eilte den Soldaten nach und rief laut den Namen seines vierbeinigen Arbeitsgenossen. Die Soldaten trieben den Ochsen aber mit kräftigen Schlägen den Hain hinauf. Schmidt rief den Ochsen noch einmal mit seinem Namen, daraufhin: Ein Ruck mit dem Kopf, ein wildes Ausschlagen mit den Hinterbeinen, und der Ochse eilte in wilden Sprüngen seinem Eigentümer entgegen. Schmidt führte ihn stolz durchs Dorf und direkt vor den Obersten des Russenkommandos, als Beweismittel der Schandtaten der Soldaten. Der Oberst, ein gerechter Mann, ließ die gefassten Diebe im Justengarten ( hinter dem Vierfußschen Haus, wo damals die Schmidts wohnten) an 2 Bäume binden, und verpasste ihnen eine Prügelstrafe.

 

Quellen:

 

Geschichte der Gemeinde Bissenberg von Rudolf Anschütz

 

Die Geschichte des Kirchspiels Biskirchen, Bissenberg und Stockhausen; Stadt Leun

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